Serie I

Oder warum gibt es mehr „pre-productions“ als Series I  - Landys 

Montag morgen, halb 9 in England. Wo ist mein Tee? Spencer durfte also losbauen. Leider ergaben sich da schon die ersten Probleme. Die Stahlhändler haben ihm nur die Zähne gezeigt, als er mit der Forderung nach hunderten von Tonnen für die ersten Fahrzeug ankam. „Ham wer nisch, krieschn wir ooch nischt reich!“, eine Redenwendung die erst ein viertel Jahrhundert später hinter dem „Eisernen Vorhand“ geprägt worden sein soll hat hier wohl ihren Ursprung gefunden. Spencers Sekretärin, die nicht nur den besten 9 o’clock Tea im ganzen Rover Stammsitz in Gaydon kochen konnte, sondern auch sonst nicht auf den Kopf gefallen war, schlug ihrem Chef vor, doch beim Duralumin (das wir ab jetzt mal Alu nennen wollen) zu bleiben. „Zu teuer und zu langlebig!“ wäre ein Gegenargumente gewesen, aber der Vorgesetzte Sir von Spencer nickte die Kiste ab. Schließlich war er ja am Wochenende mit dem Wirtschaftminister auf der Rennbahn verabredet und der wollte Erfolgsmeldungen hören. „Machen Sie einfach! Geld hat noch nie ne Rolle gespielt!“Also und weil ein Stahlhändler doch etwas Stahl (zum Leidwesen aller späteren Käufer) herausgerückt hat, wurden Spritzwand und Rahmen aus Stahl gefertigt. In der Vorserie hatte man den rahmen noch feuerverzinkt. Und deshalb gibt es noch gut die Hälfte aller Vorserienfahrzeuge, während man bei der Serie I oft lange nach einem fahrbaren Exemplar suchen darf. Sei es drum. Mit Farbe gespritzt sollte der erste 80“ Landy auf der Motorshow in Amsterdam 1948 eine gute Figur machen, dann würde man weitersehen. Wozu auch Geld für Konservierung ausgeben, das war ja schon fürs Alu weg gewesen und Spencer hat sich wohl nicht getraut seinen Vorgesetzten noch mal um mehr Kohle zu bitten.(Bis heute munkelt man auch, dass im Schreibtisch von Spencers Chef zum Beginn  der Motorshow in Amsterdam bereits Ersatzkandidaten für seinen Posten gelegen haben sollten.)Aber, da die Vorgesetzten vom Vorgesetzten von Spencer alle gute Freunde waren und selbst der Kolonialminister und der Verteidigungsminister irgendwann als Kinder mal mit Metabo gespielt haben sollen war die Nachfrage riesengroß. Spencer bekam zwar keinen Orden, aber er durfte bleiben und das war im Großbritannien der späten 40er auch ein Verdienst.Jetzt durfte der Land-Rover in Serie gehen. In Serie I. Mit 1,6 Litern Hubraum folgten von 1948 bis 1958 die Modelle „5“ LBG“ (5 Zoll durchmessende Scheinwerfer hinter dem Kühlergrill), dann die 7“ LTTG (7 Zoll durchmessende Scheinwerfer die durch den Grill gebohrt waren). Weil den Konstrukteuren dann die Ideen ausgingen haben sie den schwarzen Peter an die Motorenabteilung geschoben. „More Power!“ musste her. Zuerst mit einem 88“ und 2 Litern (aufgebohrt), weil der aber etwas anfällig und schwach war und die Konstrukteure ja fürs konstruieren bezahlt wurden folgte bald ein echter 86“ mit 2 Liter Benzin Motor.  

Warum 88“ und 86“? Wir lüften an dieser Stelle eines der best gehüteten Geheimnisse von Land Rover. Die Ziffern bezeichnen den Radstand in Zoll (nicht die Gesamtlänge). Da beides aber immer irgendwie verbandelt war wurde die Gesamtlänge dem Motor angepasst und somit konnte auch der Achsstand differieren (später 107“ -> 109“). Ob man das verstehen muss – nein, muss man nicht. Vielleicht liegt’s am Tee?!? 

 

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