Von “Umweltsäuen”, “Feinstaub-Ebern” und “Co2-Ferkeln”

 

„Muss ich mir jetzt wirklich Sorgen machen?“, mein Bekannter ist recht aufgelöst, als er zu mir ins Büro kommt. In der Hand hält er einen schlecht lesbaren, oft kopierten und leicht verknitterten Zettel, auf dem das Logo einer großen Umweltschutzorganisation prangt. Beschwörend drückt er mir das Blatt in die Hand und sein Gesichtsausdruck verrät, so sieht jemand aus, dem man gerade ein verdammt schlechtes Gewissen einzureden versucht hat.

„Sie verschmutzen unsere Umwelt!“ – steht da im schnöden „Times New Roman“ Schriftzug, Schriftgröße 20 als Überschrift. Aha, denke ich mir, wer tut das nicht. Ist das Leben des Homo Sapiens nicht ausschließlich darauf ausgerichtet, sich die Erde Untertan zu machen. Ohne Rücksicht auf Verluste? Hat man mir mal gelernt, mit erhobenem Zeigefinger. Aber gut, man hört es ja immer wieder gerne, was man falsch macht, also weiter im Text.„Sind Sie auf Safari, oder im Gelände?“, komische Frage. Ich sitze gerade in meinem Büro, der Boden ist aus Linoelum und die Erkundung der hiesigen Fauna habe ich abgeschlossen, als die letzte Stubenfliege von unserem Kater gefressen wurde. Mein Bekannter trippelt währenddessen nervös von einem Fuß auf den anderen. Ach so, ja. Das war ja am Auto, dem Landrover. Den braucht er, weil er im Forst arbeitet. Steht auch dran, mit Plakette und Staatswappen und so weiter. Schön amtlich. Naja, unsere Umweltschützer… Ich mache weiter.„Haben Sie schon gewusst, dass Ihr Geländewagen fast so viel Sprit verbraucht wie ein LKW?“. Ich lese die Zeile noch einmal. Und noch einmal. Man muss das ja erst verstehen, bevor man sich seine Gedanken machen kann. Klar braucht der Wagen Sprit, wäre ja sonst ein Wunder. Ein Perpetuum Mobile oder wie das Teil heißt. „Also,“ blicke ich auffordernd über den Rand meiner Brille, „was nimmt er?“„Na zehne, wie immer, warum?“„Weil ich gerne den LKW hätte, der das auch nimmt!“, antworte ich knapp und widme mich dem nächsten Kapitel der umweltschützendenden Ausführungen.„… dreimal soviel Co2 ausstößt, wie ein normales Auto?“

Hm, nur was qualmt ist gut und nur was gut ist kommt auch in widrigem Gelände vorwärts, wenn es schon muss. Lag mir auf der Zunge, ich schlucke kurz – man will ja objektiv sein. Also mal ehrlich, was ist ein normales Auto? Vom Standpunkt des mir im Geiste vorschwebenden Aktivisten muss das ein VW T3, mit dem der zum jährlichen „Kastorblocken“ ins Wendland eiert – pädagogisch wertvoll, sicher. Eine Möglichkeit. Oder der gute alte AL28 4×4, als Basis für weitere konspirativen Umweltschutzplakatierungsoperationen abseits geteerter Straßen. Oha! Oder gar, auch der Aktivist geht mit der Zeit, der VW T5 Synchro Tdi mit 150Pferdchen unter der Haube. Eine schwierige Frage. Ich einige mich mit meinem zerrissenen Ego auf einen Subaru Forrester LPG, der jagt 2007 über 200g aus dem Rohr und der Geländewagen nur 300 … also habt Ihr Euch verrechnet liebe langbärtige Brüder und alternative Schwestern der selbsternannten Ausstoßüberwachung. Weiter geht’s …

„… dadurch unnötig stark zur Klimaerwärmung beiträgt…“Stimmt, es wird immer wärmer, liegt man meinem steigenden Blutdruck. Mir fiele jetzt ein Vergleich zwischen einem Billigflieger und einem gewerblich genutzten Geländewagen ein, aber den schenke ich mir. Würde zu weit führen und die Berechnung des Co2 Ausstoßes und die Mutmaßung über die dadurch verursachte Klimaerwärmung wären so spekulativ, dass es meinem Kater glatt den Magen umdrehen könnte. Und … ich hatte erst gewischt.„… Fußgängern und besonders Kindern bei Unfällen besonders schlechte Überlebenschancen lässt?“Moment, was stand da oben … ach so, weil uns  thematisch nichts mehr einfällt, womit wir ein paar Phrasen dreschen können jetzt noch das. Baumaschinen verursachen auch böse Verletzungen, wenn man sich mit ihnen anlegt. Tut aber keiner, weil der Baggerfahrer aufpasst und kein Kind oder Fußgänger blindlings auf die Baustelle rennt. Nur auf die Straße da wird gerannt. Na gut, das Argument an sich hat etwas. Ich erinnere mich an die schrecklichen Bilder im TV. Aber was hat das mit Co2 Ausstoß oder Spitkonsum unseres Sündepfuhles zu tun? Eine Frage, die ich mir an dieser Stelle nicht beantworten kann, aber doch stelle. Man sollte drüber nachdenken! Ach, lesen wir weiter.„Der Tatbestand wurde in einem automatisiertem Verfahren festgehalten!“ Oh, festgehalten, registriert, aufgeschrieben. Womit darf ich rechnen, als Fahrer eines Geländewagens im Jahr 2007? Kommt jetzt die Umweltschützerpolizei und ich muss vor unserer Eiche im Garten kniend um Vergebung winseln, oder kommt es gar härter und ich muss Abbitte beim Umweltpapst leisten. IM Umweltaktivist hat Sie gesehen und es notiert. Da läge ein Vergleich mit einer staatlichen Organisation des ehemalig anderen Deutschlands doch in … ach, mein Schandmaul wieder.Mir fiele auch noch  ein Vergleich zu einer derzeit vielzitierten aus dem Ruder gelaufenen ehemaligen Moderatorin ein, aber … unser Geländewagen fährt ja kaum Autobahn. Und überhaupt, Tatbestand? Welcher Tatbestand? Derjenige, dass man Halter eines Geländewagens ist, der zum Erwerb des Lebensunterhaltes dringend benötigt wird? Der über dies mit reinem Pflanzenöl also Co2 neutral (glaubt man der Milchmädchenrechnung wirklich) betrieben, fortbewegt wird? Dieser Tatbestand ist nachhaltig beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg, der verwaltenden Kommunalbehörde und dem zuständigen Finanzamt bekannt. Darüber hinaus ist der Fahrzeugtyp, das amtliche Kennzeichen und sogar die Farbe beim zuständigen Forstamt mit deutscher Gründlichkeit aktenkundig, davon muss ich ausgehen.Mein Bekannter hat sich inzwischen, ob meines roten Kopfes, oder der Tatsache dass ich mich schon gute 5 Minuten mit dem Schreiben von seiner Windschutzscheibe beschäftige einen Kaffe organisiert und sitzt zusammen mit unserem Hauskater auf dem kleinen Besucher-Hocker. Wenn das der Umweltaktivist an sich sehen könnte. Kann man Umweltverschmutzung ggf. mit Tierliebe ausgleichen. Der Vorschlag sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Und noch dazu, der Hocker, der ist schon 3. Generation in Familienbesitz. Aus feinem deutschen Eichenholz. Würde man hier eine Energiebilanz ziehen, ach was wäre das für ein Fest. Bezogen auf die Umweltentlastung.Aber, ich schweife ab. Zurück zum Text, wir haben es ja gleich geschafft. Aber vorher kommt es noch mal richtig dick:„Das Fahren eines Geländewagens …“Er stand ja, nebenbei bemerkt. Sonst hätte es wirklich Blessuren beim Anbringen des Schreibens an der Windschutzscheibe gegeben.„… geht auf Kosten Ihrer Umwelt, Ihrer Mitmenschen, Ihrer Lebensqualität, der zukünftigen Generation …“Moment mal. Stop! Jetzt polemisieren wir ein wenig. Muss man sich so etwas sagen lassen? Würde der Geländewagen nicht täglich durch den Forst rollen und seine Aufgabenerfüller an den Ort Ihrer täglichen Buckelei bringen, so würde die zukünftige Generation keinen Wald mehr vorfinden. Dafür vollgefressene Borkenkäfer. Hätte auch was. Unsere Umwelt – na ja, wägen wir auch noch Nutzen und Schaden ab … ich tendiere dafür unserem Dienstherren die lange Nase zu zeigen, oder in Zukunft nach den Herbststürmen mit dem alten Polski-Fiat 126 die Holzwege abzusichern. Eine durchaus amüsante Vorstellung. Mitmenschen! Einer sitzt mir gegenüber. Nippt ab und an mal am Kaffee und streichelt den Kater. Gut, das ist ja kein Mitmensch. Der ist ja Umweltsünder. Hm, wer könnte zur Entlastung beitragen …. ach ja, was war denn mit der netten Blondine, mit der großen … ähm …  dem Riesenspoiler. Gut letzterer hat den Ausritt in den frisch gepflügten Acker nicht überlebt, aber ein paar Kotlateralschäden muss man hinnehmen. Die Blondine, Chantal glaub ich hieß die – die war schon dankbar, als der Geländewagen rauchend und luftverschmutzend daherkam und ihr Vehikel aus dem Acker gezogen hat. „Verblasen -  Chico!“ … Stand auf ihrer Heckscheibe. Jetzt erinnere ich mich. Aber auch das nur … heiße Luft! Was steht da noch …„Ist es Ihnen das wert?“Das ist hart. Die Gretchenfrage, damit wartet Aktivist natürlich bis zum Schluss. Hm, ich blicke hilfesuchend zu meinem Bekannten. Der ist aber inzwischen an den Bücherschrank gelehnt eingenickt. Der Kater schnurrt auf seinem Schoß weiter. War’s wirklich so langweilig? Ich beschließe diese Frage meinem Rechtsanwalt zu stellen. Der fährt auch Geländewagen. Einen Schwaben mit Stern, V8 Motor und fünf Litern Hubraum. Mit der rechten Hand angle ich nach dem Telefonhörer, in der linken noch den Zettel von der Windschutzscheibe. Wenn einer das beantworten kann ist es ein Pfarrer, da kenn ich keinen, ein Umweltaktivist, mit denen will ich nicht reden, oder mein Anwalt … der weis eh alles. Und kann alles in Rechnung stellen. „Aber … ist es ihnen das wert?“Ich hol mir lieber noch einen Kaffee …

 

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